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Rudolf Schierghofer und Christina Wagner bleiben weitere vier Jahre Vorsitzende im Landkreis

BERCHTESGADENER LAND/BAD REICHENHALL (ml/mp) –  Rudolf Schierghofer aus Bad Reichenhall und Christina Wagner aus Berchtesgaden bleiben für weitere vier Jahre Vorsitzende der BRK-Kreis-Wasserwacht Berchtesgadener Land. Beide wurden bei den Neuwahlen am vergangenen Freitag im Amt bestätigt. Siegfried Hauber aus Bad Reichenhall bleibt Technischer Leiter, Christoph Scharf aus Laufen löst Peter Graf aus Freilassing ab, der nicht mehr kandidierte. Als weiteres stimmberechtigtes Mitglied wurde Franz Kurz aus Berchtesgaden  in die Vorstandschaft gewählt. Auch die bisherige Jugendleiterin Monika Reiner aus Berchtesgaden trat nicht mehr zur Wahl an und wurde durch die beiden Reichenhallerinnen Elisabeth Bergner und Franziska Kornes abgelöst.

Über 12.000 ehrenamtliche Stunden und 82 SEG-Einsätze
Die vier Wasserwacht-Ortsgruppen im Landkreis blicken auf ein arbeits- und einsatzreiches Jahr zurück: 2016 haben sie über 12.000 ehrenamtliche Stunden geleistet und sind mit ihren Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) von der Leitstelle Traunstein zu 82 Einsätzen gerufen worden, darunter allein 48 mit dem Motorrettungsboot am Königssee. 3.379 Stunden im Wachdienst, 1.235 Stunden bei der Flüchtlingshilfe, 1.054 Stunden im Landrettungsdienst und 522 Stunden bei SEG-Einsätzen. Die Aus-und Fortbildung schlug mit 5.812 Stunden zu Buche. Die Ehrenamtlichen mussten 100 mal an Seen und 90 mal in den Bädern medizinische Erste Hilfe leisten, 59 mal Menschen aus Wasser retten, achtmal Vermisste suchen und drei Tote bergen. „Wie jedes Jahr war der Einsatz-Schwerpunkt am Königssee – allein die Ortsgruppe Berchtesgaden verzeichnete 70 Einsätze, so viele wie noch nie“, resümierte Hauber. „Ich freue mich, dass wir in der Kreis-Wasserwacht über 161 aktive Mitglieder verfügen. Davon sind 81 ausgebildete Wasserretter, zehn Canyon-Retter, 29 Rettungs- und Bergetaucher, acht Rettungsdiensthelfer, neun Rettungssanitäter und sieben Rettungsassistenten. Aktuell verfügen wir über 37 Wach-und SEG-Einsatzleiter sowie sieben Einsatzleiter Wasserrettungsdienst.“ Sechs Erste-Hilfe-Ausbilder, fünf Ausbilder Sanitätsdienst, 26 Ausbilder Schwimmen, 24 Ausbilder Rettungsschwimmen, ein Mitglied Lehrgruppe Rettungsschwimmen, fünf Ausbilder Tauchen und zwei Ausbilder Wasserretter kümmern sich um die ständige Weiterqualifizierung der ehrenamtlichen Wasserretter.

Schwimmbäder als Grundlage der Prävention gegen den Ertrinkungstod
Einen nicht allzu fröhlichen Blick setzte Hauber beim Thema Trainingsmöglichkeiten der einzelnen Ortsgruppen im Landkreis auf: 2006 fiel das Schwimmbad für die Ortsgruppe Bad Reichenhall für mehrere Jahre weg, 2013 mit dem Hochwasser plötzlich auch das Badylon in Freilassing und in Berchtesgaden wird derzeit heiß über die Zukunft der Watzmann-Therme diskutiert. „In Bad Reichenhall läuft die Zusammenarbeit mit der Rupertustherme gut, gerade nach den intensiven Gesprächen nach der vorletzten Jahreshauptversammlung der Reichenhaller Ortsgruppe. Wir können uns mit den anderen Vereinen gut abstimmen!“, freute sich Hauber. In Freilassing wird das Badylon bald wieder eröffnen und in Berchtesgaden feiert die Watzmann-Therme heuer ihr 20-jähriges Bestehen – die Zukunft des Bads ist aber noch ungewiss. „Hallenbäder sind die Grundlage der Wasserwacht-Präventionsarbeit im Kampf gegen den Ertrinkungstod. Wir benötigen dringend Hallenbäder, in denen wir Kinder das ganze Jahr über ausbilden und selbst üben und trainieren können. Wenn immer mehr Bäder geschlossen werden, können wir diesen wichtigen Auftrag nicht mehr erfüllen“, mahnte Hauber.

Canyon-Retter trumpfen beim Katastropheneinsatz in Niederbayern
Ein außergewöhnlicher Einsatz war 2016 das Hochwasser in Niederbayern, bei der die heimische Canyon-Rettungsgruppe mit ihren Spezialisten tagelang vom Hochwasser eingeschlossene Menschen und Tiere von Hausdächern und Balkonen rettete. Die Bergwachten und Wasserwachten stellen zusammen zu jeweils 50 Prozent die Canyon-Rettungsgruppe Chiemgau (CYRG). „Wir können klettern, abseilen, schwimmen und sind auf die verschiedenen Hubschrauber eingewiesen“, erklärte Hauber. Am 1. Juni 2016 wurden die Spezialisten von der Leitstelle Traunstein auf die überflutete B12 bei Simbach geschickt, um Menschen von Autodächern zu retten. Um für solche Szenarien ausgebildet zu sein, führen die Canyon-Retter regelmäßige Aus-und Fortbildungen durch. Letztes Jahr unter anderem auch im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) Bad Tölz, wo am Heli-Simulator die Hubschrauber-Rettung aus fließenden Gewässern, von Hausdächern und von Balkonen geübt wurde.

Tauchtrupp im Wasserrettungszug Bayern
Die Kreis-Wasserwacht BGL ist auch Mitglied im Wasserrettungszug der Wasserwacht Bayern. „Wir stellen hier einen Tauchtrupp, der jederzeit für große Schadenslagen oder Katastrophen-Einsätze alarmiert werden kann“, erklärte Hauber. Der letzte Einsatz des Zugs war 2013 beim Hochwasser in Freilassing sowie in Deggendorf. Für den Wasserrettungszug wird die Ausrüstung von der Wasserwacht Bayern über den Freistaat Bayern gestellt – jedoch müssen die Wartungs-und Pflegekosten von den jeweiligen Ortsgruppen selbst getragen und vor allem über Spenden finanziert werden. Die Kreis-Wasserwacht BGL besitzt als Tauchtrupp zwölf spezielle Tauch-Ausrüstungs-Sets, die auch im beispielweise durch Treibstoff kontaminierten Wasser eingesetzt werden können. Hauber: „Die Wartungs-und Pflegekosten hierfür sind immens.“ Zahnarzt Florian Gierl, Vater von Wasserretterin Julia Gierl aus Bad Reichenhall, initiierte 2016 zusammen mit fünf Kollegen eine Zahngold-Spenden-Aktion, um mit insgesamt 6.500 Euro Neuanschaffung und Wartung der Tauchausrüstung zu finanzieren.

Martin Planegger löst Gerhard Däuber in der Lehrgruppe Rettungsschwimmen ab
Rudolf Schierghofer, der Vorsitzende der Kreis-Wasserwacht gedachte der verstorbenen Mitglieder und besonders Klaus Pfeiffer, der sehr tragisch 2016 bei einem Kletter-Unfall sein Leben verlor: „Klaus war in allen Bereichen der Wasserwacht sehr engagiert und auf ihn konnte man sich immer verlassen!“ Hauber dankte den Behörden und Organisationen für die gute Zusammenarbeit und besonders dem Personal der Kreisklinik Berchtesgaden und der Firma Synlab, die sich sehr unkompliziert um die jährlich vorgeschriebene Arbeits- und Gesundheitsschutzuntersuchung der Rettungs- und Bergetaucher aus dem Landkreis kümmern. „Gerhard Däuber, der sich jahrzehntelang in der Lehrgruppe Rettungsschwimmen engagiert hat, geht in den wohlverdienten Ruhestand, hat aber auch innerhalb der Kreis-Wasserwacht einen würdigen Nachfolger gefunden. Martin Planegger aus der Ortsgruppe Berchtesgaden wird in die großen Fußstapfen treten“, berichtete Hauber.

Keine Jugendgruppe in Freilassing mehr
Elisabeth Bergner aus Bad Reichenhall berichtete stellvertretend für Jugendleitern Monika Reiner über die vielfältigen Aktivitäten des Nachwuchses, der aus den Kinder- und Jugendgruppen der einzelnen Ortsgruppen besteht. „Bad Reichenhall und Berchtesgaden stellen hier die größte Anzahl; in Laufen sind es eher schon junge Erwachsene - in Freilassing gibt es aufgrund des fehlenden Hallenbades leider derzeit keine Jugendgruppe mehr“, bedauerte Bergner. Ausflüge zum Deutschen Museum und ins Haus der Berge waren ebenso gut besucht wie verschiedene Ausbildungen in Erster Hilfe und Wasserrettung, gemeinsamen Raften auf der Saalach von Unken bis in die Fronau sowie ein Zeltlager mit 40 Teilnehmern am Waginger See.

Verdiente Ehrenamtliche & Unterstützer ausgezeichnet
Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer und Birgit Moosbauer, die stellvertretende Bezirksvorsitzende der BRK-Wasserwacht zeichneten verdiente Ehrenamtliche und Unterstützer der Wasserwacht aus: Die Wasserwacht-Medaille in Bronze bekamen Katharina Listl, zweite stellvertretende Jugendleiterin in Berchtesgaden, Elisabeth Rasp, Fachlehrerin in Berchtesgaden, Anita Weindl, Rektorin der Grundschule Schönau (fehlte) und Schulamtsdirektor Frank Thieser. Über die Wasserwacht-Medaille in Silber freut sich Christoph Scharf, Ortsgruppenchef in Laufen – er bekam die Auszeichnung unter anderem für seine Verdienste bei der Beschaffung eines Fahrzeugs für die mobile SEG und beim Neubau der Wache. Die goldene Ehrennadel des BRK bekamen Tauchausbilder Gerald Rothkopf aus Bad Reichenhall und Kreis-Wasserwacht-Vizechefin Christl Wagner. Rudi Schierghofer wurde selbst mit dem goldenen Ausbilder-Ehrenzeichen geehrt.

Lob & Dank der Ehrengäste
Schulamtsdirektor Frank Thieser dankte allen Ortsgruppen für die sehr gute Jugendarbeit und das Engagement beim  Schulschwimmen: „Die durch die Wasserwacht erbrachte Leistung erkennt man an den hervorragenden Ergebnissen beim Wettbewerb auf Landesebene; nur das Schwimmen im Schulunterricht würde nicht reichen, um aus den Kindern sichere Freischwimmer zu machen. Auch ich habe 3 Gold-Inlays; wenn diese fällig sind, werde ich meinem Zahnarzt sagen, er muss das Gold auch der Wasserwacht spenden!“ Reichenhalls Polizeichef Wilhelm Bertlein bedankte sich im Namen aller Dienststellen im Landkreis für die hervorragende Zusammenarbeit und verabschiedete sich in den bevorstehenden Ruhestand. Karl Kreuzhuber, Landeseinsatzleiter der Österreichischen Wasserrettung (ÖWR) Salzburg teilt die Probleme der bayerischen Kollegen: „Auch wir in Salzburg können ein Lied davon singen, dass immer mehr Bäder zugesperrt werden. Somit ist die Grundlage gefährdet. Ich drücke Euch die Daumen, dass bei Euch alles gut geht!“ Birgit Moosbauer, die stellvertretende Bezirksvorsitzende der BRK-Wasserwacht, lobte vor allem die Canyon-Retter: „Ein besonderer Dank gilt Euren Einsatzkräften, die in Simbach tätig waren. Auch ich durfte hier als Einsatzleiterin ran. In den letzten Jahren kam Hochwasser oft da, wo es gar nicht erwartet wurde. Vielen Dank für Eure Unterstützung!“ „Besonders möchte ich mich bei den ehrenamtlichen Wasserrettern bedanken, die seit Beginn des Flüchtlingsstroms im Herbst 2015 in der Halle in Freilassing tatkräftig mithelfen. Dort wurden bisher über 70.000 Einsatzstunden geleistet – viele davon von Euch Wasserwachtlern“, lobte BRK-Kreisbereitschaftsleiter und Flüchtlingsbeauftragter Florian Halter. Kreisbrandinspektor Anton Brandner sprach stellvertretend für alle Feuerwehren seinen Dank für die gute und reibungslose Zusammenarbeit aus und wünschte der Wasserwacht möglichst wenige tragische Einsätze.

Die neue Vorstandschaft (von links): Siegfried Hauber, Christoph Scharf, Franziska Kornes, Franz Kurz, Christina Wagner, Elisabeth Bergner, Rudolf Schierghofer. Die Ehrungen (von links): Rudolf Schierghofer, Katharina Listl, Christoph Scharf, Elisabeth Rasp, Frank Thieser, Gerald Rothkopf, Christina Wagner, Birgit Moosbauer, Siegfrid Hauber.