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Seit 2013 fehlendes Schwimmbad in Freilassing zwingt die Jugend- und Präventionsarbeit der Ortsgruppen Freilassing-Ainring und Laufen-Leobendorf in die Knie

BERCHTESGADENER LAND/LAUFEN AN DER SALZACH (ml) – Die vier Ortsgruppen der BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land haben 2017 insgesamt 11.717 ehrenamtliche Stunden geleistet und sind mit ihren mobilen Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) zu insgesamt 126 Einsätzen ausgerückt, wobei bei einigen größeren Wasserrettungen mindestens zwei SEG´n gefordert waren. Der Schwerpunkt lag wie bereits in den Vorjahren mit 83 Bootseinsätzen am Tourismus-Hotspot Königssee. Größte Sorge der ehrenamtlichen Rettungsschwimmer des Roten Kreuzes ist das seit 2013 durch den Hochwasser-Schaden im Badylon fehlende Schwimmbad im nördlichen Landkreis, was sowohl die Jugendgruppen in Freilassing-Ainring und Laufen-Leobendorf wie auch die Präventionsarbeit in der Ausbildung von Freischwimmern in die Knie gezwungen hat. Die Ehrenamtlichen beobachten mit Sorge, dass die Zahl der Nichtschwimmer und schlechten Schwimmer allgemein größer wird und befürchten steigende Einsatzzahlen.

Drei Aufgaben-Ressorts auf Kreis-Ebene
Vorsitzender Rudi Schierghofer, der Technische Leiter Siegi Hauber und Jugendleiterin Elisabeth Bergner fassten bei der Jahreshauptversammlung im neuen gemeinsamen Feuerwehr- und Wasserwacht-Haus Laufen die Leistungen der vier Ortsgruppen zusammen. Die Arbeit der BRK-Kreis-Wasserwacht gliedert sich in die drei Ressorts Ausbildung, Einsatz und Abrechnung sowie Beschaffung und Finanzierung. Für die Ausbildung zeichnet der Laufener Ortsgruppenvorsitzende Christoph Scharf verantwortlich. 2017 wurden in vier Modulen mit hohem Praxisanteil und Inhalten mit regionalem Bezug unter der Leitung des Reichenhallers Christian Standl 16 neue Wasserretter  nach der neuen Ausbildungsrichtlinie der Wasserwacht Bayern ausgebildet – überwiegend mit der Zusatzqualifikation Fließwasserretter (wir berichteten). In wenigen Wochen steht nun der zweite in dieser neuen Art durchgeführte Lehrgang vor dem Abschluss – der Vorteil: Die Teilnehmer können einzelne Module später nachholen, wenn sie gerade zu wenig Freizeit haben, Teilbereiche nicht schaffen und müssen nicht den kompletten Kurs wiederholen. Sechs weitere Mitglieder sind derzeit seit Mai 2017 in der sehr aufwendigen Ausbildung zum Rettungstaucher. Ein besonderes Highlight war im Oktober 2017 eine große Rettungsübung am Königssee, bei der ein Felssturz mit vielen Verletzten aus der Watzmann-Ostwand in den Eisbach angenommen wurde. Die BRK-Wasserwacht übte dabei vor allem die eigene und mittlerweile sehr bewährte Bootseinsatzleitung bei Großschadenslagen und konnte wichtige Praxis-Erfahrungen bezüglich Transportkapazitäten, Ausstattung und ausreichender Motorisierung der voll beladenen Boote im Großeinsatz sammeln.

Im Ressort Einsatz und Abrechnung zeichnet der Technische Leiter aus Berchtesgaden, Franz Kurz verantwortlich. Die Aufgabe bringt fürs Ehrenamt viel zusätzliche Arbeit mit sich, da allein die Ortsgruppe Berchtesgaden 2017 fast 100 Einsätze mit oft internationalen Patienten hatte, wobei eine deutliche Verbesserung durch ein eigenes Kartenlesegerät am Königssee-Rettungsboot erzielt wurde. Im Ressort Beschaffung und Finanzierung ist der Technische Leiter der Kreis-Wasserwacht, Siegi Hauber der Chef. Die Fahrzeuge und Geräte für den Wasserrettungsdienst werden wie jüngst in Laufen-Leobendorf, wo 2017 ein neuer Allrad-Sprinter in Dienst gestellt wurde (wir berichteten), zu großen Teilen über den Freistaat Bayern finanziert, für den Rest müssen die Ehrenamtlichen selbst Spenden sammeln und Förderer gewinnen: Die Rettungswachen und Garagen, die Aus- und Fortbildung, Versicherungen, Kleidung, laufende Kosten und spezielle, regional notwendige Rettungsgeräte.

Fehlende Trainingsstätte in Freilassing zwingt Nachwuchs in die Knie
Jugendleiterin Elisabeth Bergner berichtete von den vier Jugendgruppen in Berchtesgaden (mehr als 80 Mitglieder), Bad Reichenhall (74), Ainring-Freilassing (5) und Laufen-Leobendorf (4), wobei das 2013 durchs Hochwasser zerstörte Badylon den Wasserwacht-Nachwuchs im nördlichen Landkreis aufgrund der vor allem im Winter fehlenden Trainingsstätte in die Knie gezwungen hat. Die meisten Aktiven gewinnt die Wasserwacht schon immer aus ihren Schwimmkursen, die ebenfalls seit 2013 in Freilassing nicht mehr oder nur in sehr geringem Umfang in anderen Bädern stattfinden konnten – die Ortsgruppen Freilassing-Ainring und Laufen-Leobendorf hoffen daher sehnsüchtig auf die Fertigstellung des neuen Bads und haben mittlerweile ernste Zukunftssorgen. Über die einzelnen Aktivitäten hatten die vier Ortsgruppen bereits auf ihren eigenen Jahreshauptversammlungen referiert (wir berichteten). Als große gemeinsame Veranstaltung fand 2017 erneut ein ortsgruppenübergreifendes und sehr erfolgreiches Zeltlager am Waginger See statt. Auch Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer beklagte das fehlende Bad in Freilassing in der Präventionsarbeit der BRK-Wasserwacht im Kampf gegen den Ertrinkungstod, was sich auch in der Teilnahme beim jährlich von ihm organisierten Schulschwimmwettbewerb widerspiegelt, bei dem keine Schulen mehr aus dem nördlichen Landkreis mitmachen konnten. Dennoch stellte das Berchtesgadener Land mit 1.533 Schülern und 86 Klassen immerhin noch über 44 Prozent aller Teilnehmer auf Landesebene und war wieder vorne bei den Siegerplätzen mit dabei.

Viel Lob und Anerkennung für die Wasserwacht
Landrat-Stellvertreter Helmut Fürle dankte der BRK-Wasserwacht im Namen aller Landkreis-Bürger für den Rettungsdienst an den Gewässern und die Badeaufsicht, aber auch für ihr großes Engagement im Schwimmunterricht. Laufens Bürgermeister Hans Feil freute sich, dass die BRK-Wasserwacht in Laufen zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr ein neues, gemeinsames Zuhause gefunden hat – beide Organisationen wachsen damit noch enger zusammen. Reichenhalls zweiter Bürgermeister Manfred Hofmeister, der stellvertretende Schulamtsdirektor Rudolf Ringel, Laufens Polizeichef Erwin Wimmer, Kreisbrandmeister Michael Brandl für die Freiwilligen Feuerwehren und Hans-Michael Weisky von der Wasserwacht Oberbayern dankten allen aktiven Einsatzkräften der BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land für ihr ehrenamtliches Engagement und die gute Zusammenarbeit.

Hans-Michael Weisky von der Wasserwacht Oberbayern (links) und Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer (rechts) zeichneten (von links) Franz Kurz (Silbernes Ehrenzeichen), Elke Schneider (Wasserwacht-Medaille in Gold), Sabrina Schauer (Wasserwacht-Medaille in Bronze), Pari Belagiannis (zehn Jahre Mitgliedschaft) und Matthias Pollhammer (zehn Jahre Mitgliedschaft) aus.